Roter Stern Mehr Medienkompetenz, weniger Medienkonsum: Sexting, das Versenden von eigenen Nacktbildern, kann ungewollt weite Kreise im Internet ziehen
"Sexting" setzt sich zusammen aus den Worten "Sex" und "Texting". Es bedeutet, Kurznachrichten mit sexuellem Inhalt zu versenden. Oft sind es jugendliche Mädchen, die Nacktfotos und Videos von sich verschicken. Diese "Sextings" können sich unkontrolliert im Internet verbreiten.


Warum Nacktbilder verschicken?
Mutprobe, Liebesbeweis, Selbstdarstellung, Gruppenzwang: Die Gründe für Sexting sind vielfältig. Das Verschicken von Nacktfotos mit dem Handy via MMS und über Dienste wie Snapchat oder WhatsApp ist kein neues Phänomen. Es gibt es bereits seit einigen Jahren in Deutschland. "Das, was Mädchen früher mit der besten Freundin im Bad gemacht haben, sich vergleichen, das wird heute mit dem Handy aufgenommen, verschickt oder direkt in Soziale Netzwerke geladen", sagt Prof. Dr. Christoph Möller, Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kinderkrankenhaus Hannover. Im Gegensatz zum Papierfoto von einst kann sich ein Digitalfoto allerdings rasend schnell und vor allem unkontrolliert im Internet verbreiten.

Warum aber kommen Jugendliche überhaupt auf die Idee, Nacktfotos von sich zu versenden? "Heute hat man noch einen anderen sozialen Druck: Sexuelle Bilder und Nacktfotos sind keine Besonderheit mehr", erklärt der Jugendpsychiater. "Kinder kommen heutzutage sehr früh mit Nacktbildern oder mit pornografischen Inhalten in Kontakt, sodass ein ganz anderes Normalitätsverständnis da ist als noch vor zehn oder 20 Jahren." Zudem gebe es auch einen Gruppendruck: Weil es andere machen, verschicke man eben auch selbst solche Fotos.

Probleme und Gefahren des Sextings
Wenn das versendete Nacktfoto ausschließlich bei demjenigen landet, für den es gedacht war, ist das kein Problem. Schwierig wird es, wenn das Bild ungewollt weite Kreise zieht und die abgebildete Person unter Hänseleien und Cybermobbing leidet. "Das kann im Extremfall so weit gehen, dass diejenige unter einen enormen Druck gerät bis hin zu Suizidgedanken oder -versuchen", sagt der Psychiater Christoph Möller. Was einmal im Internet sei, kriege man dort so schnell nicht wieder raus.

Dem pflichtet auch Kriminalhauptkommissarin Petra Kain bei. "Für das Polizeipräsidium Westhessen hatten wir im Jahr 2013 im Bereich Sexting 24 Anzeigen. Der Altersschwerpunkt lag bei 13- und 14-Jährigen. Die Jugendlichen haben bewusst von sich Bilder gemacht und verschickt."

Eine große Rolle dabei spielt die App "Snapchat", eine Instant Messaging-Anwendung für Smartphones und Tablets. Mit ihr kann man Fotos versenden, die nur eine bestimmte Anzahl an Sekunden sichtbar sind und sich dann selbst zerstören sollen. Allerdings ist es relativ einfach, die vermeintlich gelöschten Bilder im genutzten Gerät zu finden und wiederherzustellen. "Viele Jugendliche glauben aber, dass die Fotos unwiderruflich gelöscht sind, und fühlen sich deshalb sicher beim Verschicken von Nacktbildern über die App", sagt Petra Kain. Was die Teenies nicht bedenken: "Es gibt eine App, mit der man die Bilder aus Snapchat sichern kann." Und selbst mit einem einfachen Screenshot kann ein Nacktbild kopiert und weiterverbreitet werden.

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